Inflation durch den Hintereingang?


Martin Hüfner, volkswirtschaftlicher Berater der österreichischen Vermögensanlagebank direktanlage.at, sieht den Anstieg der Inflationsrate der letzten Wochen in vielen Ländern stärker als erwartet. Er führt den Preisanstieg auf eine Normalisierung nach starken Schwankungen der letzten Jahre sowie auf den Anstieg der Öl- und Rohstoffpreise zurück.

"Wenn sich die Rohstoffpreisentwicklung wieder auf Normalmodus einpendelt, dann müsste sich die Inflation aber bei 1 bis 1,5 Prozent stabilisieren", meint Hüfner. "Die Lohnsteigerungen sind gering. Die Kapazitätsauslastung der Unternehmen liegt in Euroland in der Industrie bei nur 72 Prozent. Das verhindert eine weitere Beschleunigung der Inflation. Wenn sich die Konjunktur allerdings - wie wir alle hoffen - bessern sollte, dann könnte sich auch das Klima bei den Preisen verändern."

Zudem sei zu berücksichtigen, dass sich die Situation bei den Wechselkursen verschoben hat. Hüfner: "In der Vergangenheit wurde der Anstieg der Rohstoffpreise in Europa stets durch die Aufwertung des Euro gebremst. Als Folge der Griechenland-Krise dürfte das in Zukunft nicht mehr, jedenfalls nicht mehr in diesem Maße der Fall sein. Nur die Schweiz kann sich gegen den Rohstoffpreisanstieg durch den starken Franken schützen."

Der direktanlage.at-Berater zieht für Anleger vier Schlussfolgerungen:


- Erstens: Die Deflation ist vorbei. Damit entfällt ein wichtiges Motiv zum Kauf von langlaufenden Bonds.

- Zweitens: Die Inflation ist schneller zurückgekommen als viele es erwartet hatten. Wenn es nicht gelingt, den Anstieg der Rohstoffpreise in Grenzen zu halten, sondern er sich wie in den letzten Monaten fortsetzt, dann werden noch im Laufe dieses Jahres Preissteigerungsraten erreicht, die an die Grenzen der Stabilität stoßen. Dann ändert sich das Klima an den Märkten und die Prioritäten verschieben sich.

- Drittens: Die Zentralbanken werden unter solchen Umständen bei der Normalisierung der Geldpolitik einen Zahn zulegen müssen. Bisher war es wegen der schlechten Konjunktur gängige Meinung, dass die Geldpolitik sehr vorsichtig agieren sollte. Wenn sich jetzt aber an den Rohstoffmärkten eine neue Blase bildet und diese auf die Verbraucherpreise überschwappt, dann muss diese Strategie überdacht werden. Dann müssen auch die Leitzinsen selbst erhöht werden, und zwar sicher nicht nur einmal.

- Viertens: Auf den Bondmärkten wird es ungemütlicher. Schon seit Mitte März sind die Renditen in den USA deutlich angestiegen. Das hängt sicher zum Teil mit den Sorgen über die hohe Staatsverschuldung zusammen. Es ist aber auch ein Zeichen für steigende Nervosität der Anleger. Sie wird in Zukunft vermutlich noch durch die höhere Inflation geschürt. Die Zinsen können dann auch in Euroland bei Bundesanleihen steigen.

Quelle: www.direktanlage.at




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