Bevölkerung will weniger staatlichen Einfluss im Gesundheitswesen


Zwei wesentliche Bausteine der jüngsten Gesundheitsreform - Einheitsbeitrag für alle Kassen und Einführung des Gesundheitsfonds - sind nur die plakativsten Beispiele für einen sich über die Jahre verstärkenden Eingriff des Staates in das Gesundheitswesen. Doch genau das entspricht nicht dem Willen der Bevölkerung: 52 Prozent der Deutschen fordern, der Staat solle weniger in das Gesundheitswesen eingreifen, nur 27 Prozent wollen ein stärkeres Engagement. Der Einführung des Gesundheitsfonds stehen die betroffenen gesetzlich Versicherten äußerst skeptisch gegenüber, zumal 61 Prozent angeben, dass sie mehr bezahlen müssen als vorher. Das ergab die aktuelle, repräsentative Bevölkerungsbefragung "Continentale-Studie 2009", die zum neunten Mal in Folge ein Stimmungsbild zum Gesundheitswesen einholt. Und das bleibt beim Blick auf die weitere Entwicklung ungebrochen negativ: Wie in den vergangenen Jahren schaut die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung sehr negativ in die Zukunft. So sagen beispielsweise 93 Prozent, dass sie für eine gute Versorgung über die GKV-Beiträge hinaus viel Geld bezahlen müssen.

Nach Umsetzung der jüngsten Gesundheitsreform stellt sich eine grundsätzliche Frage noch mehr als je zuvor: Wie stark soll der Einfluss des Staates auf das Gesundheitswesen sein? Dieser Aspekt steht im Mittelpunkt der diesjährigen "Continentale-Studie 2009". Die Ergebnisse der repräsentativen Bevölkerungsbefragung sind eindeutig: 52 Prozent der 1.262 Befragten fordern, der Staat solle weniger in das Gesundheitswesen eingreifen. Nur 27 Prozent wollen ein stärkeres Engagement, während 16 Prozent den Umfang der Einflussnahme für richtig halten. Dieses Meinungsbild zieht sich sehr gleichmäßig durch alle Bevölkerungsgruppen.

Mehr Raum für Eigenverantwortung


So wie für ein stärkeres Eingreifen des Staates gibt es auch für ein für alle einheitliches, vom Staat geregeltes Gesundheitswesen keine Mehrheit in der Bevölkerung. Nur 43 Prozent würden dies befürworten. 30 Prozent hingegen fordern mehr Raum für Eigenverantwortung, während 22 Prozent den Status Quo für angemessen halten und keine Veränderung wünschen. Auch für die stärkere Subventionierung der GKV durch staatliche Zahlungen in den Gesundheitsfonds gibt es keine Mehrheit. Obwohl 90 Prozent der Bevölkerung GKV-versichert sind und von dieser Regelung profitieren, halten nur 49 Prozent eine ausschließliche Unterstützung der gesetzlichen Versicherung für angemessen. 24 Prozent wollen eine staatliche Unterstützung für beide Systeme - GKV und PKV -, während sich 23 Prozent grundsätzlich gegen Subventionierungen aussprechen.

Angesichts der in breiter Öffentlichkeit geführten Diskussion ist auch ein weiteres Ergebnis der "Continentale-Studie 2009" überraschend: 81 Prozent der Deutschen haben kein Problem damit, wenn sich einzelne auf eigene Kosten eine individuellere oder bessere Gesundheitsversorgung sichern. Voraussetzung ist allerdings, dass - wie bislang - ein guter medizinischer Versorgungsstandard für alle gesichert ist. Nur 17 Prozent der Befragten sind nicht bereit, dies zu akzeptieren. Ein wesentliches Argument für ein stärkeres Eingreifen des Staates scheint also von der Mehrheit der Bevölkerung nicht mitgetragen zu werden.
Skepsis gegenüber Gesundheitsfonds und Einheitsbeitrag

Auch wenn man die Bevölkerung fragt, wie sie eine der umfassendsten Eingriffe des Staates der letzten Jahre beurteilen, ist das Ergebnis eindeutig: Der Einführung des Gesundheitsfonds samt einheitlichem Beitragssatz stehen die GKV-Versicherten sehr skeptisch gegenüber. 61 Prozent zahlen seither mehr; 63 Prozent von ihnen halten die Steigerung für nicht gerechtfertigt. Darüber hinaus glauben die Befragten nicht, dass das Gesundheitssystem durch diese Maßnahmen stabilisiert wird. Im Gegenteil: 86 Prozent rechnen damit, dass der Beitrag noch weiter steigen wird und 70 Prozent der GKV-Versicherten gehen sogar davon aus, dass in Zukunft die Leistungen gekürzt werden.

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die Zukunftsaussichten der Deutschen im Hinblick auf die weitere Entwicklung des Gesundheitswesens düster sind. Seit sechs Jahren in Folge konfrontiert die "Continentale-Studie" die Befragten mit vier jeweils gleichen negativen Aussagen zur weiteren Entwicklung. Ergebnis: Die Einschätzung der Zukunft des Gesundheitswesens ist unverändert pessimistisch. Im Durchschnitt liegt die Zustimmung zu diesen negativen Aussagen seit Beginn der Abfrage bei 80 bis 90 Prozent. In diesem Jahr sagen beispielsweise 93 Prozent, dass sie für eine gute Versorgung über die GKV-Beiträge hinaus viel Geld bezahlen müssen.

Quelle: www.continentale.de




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