Lebensversicherung in der Wirtschaftskrise: Hohe Kapitalsicherheit aber durchwachsene Renditeaussichten
Angesichts von Bankenpleiten und Kapitalmarktkrise stehen die meisten Versicherungskonzerne vergleichsweise gut da. Verdaut die Assekuranz Börseneinbrüche und den Renditeschwund bei Anleihen besser als die strauchelnde Bankenwelt? Schwer vorstellbar, schließlich bewegen sich Versicherungen und Banken am gleichen Kapitalmarkt. Im Gegensatz zu den Geldinstituten können die Versicherer jedoch auf Zeit spielen. 'Einbrüche am Kapitalmarkt schlagen in der Regel erst mit Verzug auf Lebens- und Rentenpolicen durch', erklärt Versicherungsexperte Manfred Poweleit, Chef des unabhängigen Branchendienstes 'Map-Report'.Die Gründe dafür sind vielfältig: Erstens dürfen Versicherer höchstens 20 Prozent ihrer Geldanlagen in Aktien tätigen. Die meisten Gesellschaften halten aber weniger, damit Börsencrashs nur minimal auf den Wert ihrer Kapitalanlagen durchschlagen. Das meiste Geld schlummert in Anleihen und Pfandbriefen. Diese Wertpapiere sind relativ sicher, wenn auch in der aktuellen Krise wenig Wert. In schwachen Kapitalmarktzeiten greifen viele Versicherer auf ihre stillen Reserven zurück. Die noch gut verzinsten Papiere aus besseren Tagen stützen derzeit die Wertgutschriften für Lebensversicherungen und federn so den Renditeschwund am Kapitalmarkt ab.
Renditen rückläufig
Doch Reserven halten nicht ewig. Die anhaltend niedrigen Zinsen schmälern die Gewinne der Versicherer. Im letzten Jahr sank der am Kapitalmarkt erwirtschaftete Ertrag laut Map-Report um einen vollen Prozentpunkt auf durchschnittlich 3,6 Prozent. Dank stiller Reserven schütteten die Gesellschaften für 2008 allerdings im Schnitt 4,3 Prozent aus. Und auch für 2009 haben nur wenige Gesellschaften eine Rücknahme der Überschussbeteiligung angekündigt. Doch bleiben Zinsen und Aktienkurse weiter auf Talfahrt, dürften die überhöhten Renditen kaum zu halten sein. Bei Zwölf-Jahres-Verträgen liegen sie nach Expertenschätzungen bereits jetzt nur noch bei 3,5 Prozent, Tendenz fallend.
Zahlungsverpflichtungen belasten
Problematisch sehen Verbraucherschützer die hohen Verpflichtungen der Versicherer. Älteren Verträgen müssen Garantiezinsen von 4,0 bzw. 3,25 Prozent gutgeschrieben werden, zudem laufen ständig Policen aus. Da die aktuellen Erträge nicht für die fälligen Auszahlungen reichen, müssen viele Gesellschaften Vermögenswerte auflösen. Vor allem kleinere Gesellschaften mit wenig Substanz können dies aber nicht dauerhaft durchhalten. Über kurz oder lang werden sie maximal den garantierten Mindestzins von 2,25 Prozent zahlen. Firmenpleiten sind derzeit jedoch nicht absehbar. Im Notfall hilft die Auffanggesellschaft 'Protektor' und entschädigt Versicherungskunden. Beim Konkurs der Mannheimer Lebensversicherung im Jahr 2003 hat dies bereits funktioniert.
Fondspolicen verlieren Milliarden
Neben verzinsten Lebensversicherungen verkaufte die Assekuranz in den letzten Jahren verstärkt Fondspolicen. Über 13 Millionen Anleger vertrauen derzeit auf die schwankungsintensiven Verträge. Fondsbasierte Lebens- und Rentenversicherungen setzen wegen der höheren Gewinnchancen vorrangig auf Aktien. Doch das ist riskant. Garantierte Mindestzinsen wie bei klassischen Policen gibt es nicht, der Anleger trägt in den meisten Fällen das Risiko selbst. Nach den starken Kursrückgängen an den Börsen sehen sich viele Anleger herben Verlusten gegenüber. Glücklich können sich nur jene schätzen, die eine Fondspolice mit Kapitalschutz abgeschlossen haben oder wenn das Fondsvermögen rechtzeitig in schwankungsarme Rentenfonds umgeschichtet wurde - doch das war selten der Fall. Häufig besitzen Versicherte gar keinen Einfluss auf die Zusammensetzung ihres Portfolios und müssen tatenlos zuschauen, wie aufgelaufene Gewinne im Börsencrash dahinschmelzen.
Ausstieg nicht ratsam
Weist die jüngste Wertentwicklungsstatistik des Versicherers Verluste aus, sollten Versicherte kühlen Kopf bewahren. Eine abrupte Vertragskündigung, die aktuelle Buchverluste in reale Geldverluste umwandelt, ist selten sinnvoll. Wer noch viele Versicherungsjahre vor sich hat, der sollte geduldig weitersparen und auf Erholung der Aktienmärkte warten. Stehen die Fondsanteile wieder dick im Plus, sollte man Wertgewinne in schwankungsarmen Fonds umschichten und beim Kauf neuer Anteile auf mehr Sicherheit setzen. Läuft der Vertrag in Kürze aus, kann man statt des Geldes die Übertragung der Fondsanteile in ein eigenes Depot beantragen. Dort können sie bis zur Kurserholung liegen bleiben. Wer die Police unbedingt los werden möchte, muss mit Verlusten und Stornokosten rechnen.
Quelle: www.crediteurope.de